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Die Geschichte

Startschuss im November 1971

Rundbrief vom Mai 2001

Wann wurde die Steppenblüte eigentlich gegründet? werden wir manchmal gefragt – und das fragen wir uns selber auch! Die Antwort ist gar nicht so einfach, denn mehrere Ereignisse haben zur Entstehung beigetragen. So haben wir uns auf die unverfängliche Aussage geeinigt: Anfang der 70er Jahre in Basel entstanden. Nun, genauer gesagt, geschah der wesentliche Startschuss im November 1971, also vor 30 Jahren!

Der Basler Pfarrer Hans-Ulrich Herrmann von der Gellertkirche wollte junge Leute mit Jesus in Verbindung bringen und so wurden die Christusträger-Brüder eingeladen (damals in Bensheim, jetzt in Triefenstein und Ralligen).

Das Besondere an den Christusträger - Brüdern war, dass sie für die damaligen Verhältnisse ungewöhnlich moderne Rockmusik machten und unkompliziert und herausfordernd über ihr gemeinsames Leben und ihr Engagement für Jesus erzählten. Ich (Sr. Anni) war dabei – und der Funke sprang über, nicht nur zu mir – mehrere junge Leute wurden angesteckt und es bildete sich spontan ein Freundeskreis von 18, 19, 20- Jährigen, die sich begeistern liessen für ein Leben mit Jesus, nicht nur im Kopf, sondern entschlossen, konkret zu leben – den Glauben zu tun.

Steppenblüte – Musik in den Anfängen

Wir begannen, uns regelmässig zu offenen Abenden zu treffen, und schon im Frühling 1972 konnten wir den Traum vom gemeinsamen Leben realisieren. Die Stadtmission vermietete uns die Dachwohnung und die grossen Kellerräume am Giessliweg 58 in Basel. Es konnte losgehen! Die Wohngemeinschaft wurde der Mittelpunkt des Aufbruchs. Alle und alles war in Bewegung! Innerlich und äusserlich:offener Abend, Musikgruppe, Bastelgruppe, Strassenbasare für die 3. Welt, Streiftrupps durch die damals neu entstandenen Drogenlokale, um die betroffenen Jugendlichen auf Jesus aufmerksam zu machen...... dazwischen mein Lehrabschluss zur Krankenschwester und eine Ferienwoche bei den Christusträger-Brüdern in Bensheim.

Werken für die 3. Welt, 1974
Offener Abend am Giessliweg 58 ca. 1985

Gemeinsames Leben, gemeinsames Beten, gemeinsames Engagement, gemeinsame Kasse – wir hatten den Sinn unseres Lebens gefunden und waren begeistert – von Gottes Geist angesteckt und vom Vorbild der Brüder. Was wollte ich mehr? Genau das hatte ich doch gesucht, so hatte ich mir mein Leben vorgestellt! Und dann hörte ich eines abends den Ruf: das ist für dich das Richtige, das bruderschaftliche bzw. schwesternschaftliche Leben. Oder habe ich mich entschieden, dass das für mich das Richtige ist? Ruf – Berufung – Entscheidung?! Jedenfalls habe ich mich mit Jesus geeinigt, dass ich diesen Lebensstil der Hingabe will und dass ER das für mich passend findet.... Berufung?

Ja, womöglich, denn wir sind uns immer noch einig, Jesus und ich, auch wenn wir oft hart aneinander geraten sind und es manche Frage, Zweifel und Enttäuschung zu regeln gab. Die Berufung ist geblieben all die Jahre: auch durch die sechs Jahre mit unserer beiden Pflegekindern, die als ganz kleine Brüder bei uns abgegeben wurden und mich überraschend zur Hausfrau und Pflegemutter gemacht haben.

Spaziergang mit den beiden Pflegekindern, vorne Mitte: Sr. Anni und Sr. Marlies

Keine Macht der Welt hätte vermocht, mich an einen Haushalt zu binden – aber Gott hat mich liebevoll überlistet und es war gut so. Nach und nach entschieden sich Sr. Marlies und weitere Frauen zum schwesternschaftlichen Leben, und weil ich immer zu Hause war, konnten viele Gäste bei uns einkehren, ihre Ferien verbringen und in der geschützten Holzwerkstatt und der Töpferei mitarbeiten, die entstanden waren. Der kleine Laden an der St.Johanns - Vorstadt 33 und die geschützte Werkstatt an der Mittleren Strasse 48 bestehen heute noch in Basel. Wir legen Ihnen die aktuellen Prospekte bei, falls sie mal in Basel sind oder sich per Post etwas bestellen möchten.

Strassenbasar, Basel 1982
Sr. Barbara in der Holzwerkstatt

Die damalige Wohngemeinschaft und der dazugehörende Mitarbeiterkreis formierten sich zunehmend verbindlicher und gründeten schliesslich die „Steppenblüte - Lebensgemeinschaft“ (ca. 30 Personen, Familien, Einzelpersonen und wir Schwestern). Die verschiedenen Arbeitsgruppen waren darin eingebettet. Um dem schwesternschaftlichen Leben mehr Bedeutung und Gewicht zu geben, gründeten wir 1982 (auch damals zu viert) den Verein Steppenblüte Communität der Schwestern. Da unterdessen alle Mitglieder der Steppenblüte in Kleinhüningen, im Industrie- und Hafenviertel von Basel, wohnten, suchten auch wir Schwestern dort eine Wohnmöglichkeit. Eine Spenderin legte den Grundstein, so erwarben wir das Haus am Giessliweg 72 in Kleinhüningen und intensivierten den Gästebetrieb, indem wir nun auch Töpferwochen und geführte Einkehrtage mit Bibelarbeiten anboten. Während die anderen Schwestern in ihren Berufen und in den geschützten Werkstätten der Steppenblüte arbeiteten, begleitete ich die Gäste und besorgte den Haushalt. Am 14. Januar 1984 feierten wir in der Dorfkirche in Kleinhüningen das Ein-weihungsfest für unser Haus und zugleich die offizielle Einsegnung zur Schwesternschaft. Sr. Marlies und ich (Sr. Anni) waren dabei. Herr Pfarrer Dr. Theophil Schubert, der damalige Kirchenratspräsident von Basel, leitete die Feier und stand für unsere offizielle Anerkennung in der Kirche ein.

Laden: Basel St.Johanns-Vorstadt 33
Sr. Marlies bei der Arbeit

1986 kam Sr. Emmy aus dem Elsass zu uns, und 1991 Sr. Barbara, die sich schon länger bei der Steppenblüte engagiert hatte. Zwei andere Schwestern verliessen uns – so waren wir wieder zu viert. Wir beschäftigten uns mit der Frage, ob das Gäste beherbergen eine gemeinsame Aufgabe sein könnte. Wir begannen Ausschau zu halten nach einem Haus in der Nähe von Basel, mit ca. 20 Plätzen, das war unser Wunsch und unsere Vorstellung. Aber Gott hatte eine ganz andere Idee: 1992 unterschrieben wir etwas zitternd die Verträge für die Grimmialp im Berner Oberland, zwar in wunderschöner Landschaft, aber: 2 Millionen Schulden, ein Haupthaus mit 65 Plätzen, vier Nebenhäuser – und jede Menge Ungewissheit. Wie soll das werden?

Das Schwesternhaus am Giessliweg 72
In der Töpferei am Giessliweg 58: Sr. Emmy

Wir bauten auf den, der uns gerufen und geführt hatte und auf unsere Freunde von der Familien - Communität. Als sich nach 2 Jahren Grimmialp die Familiengemeinschaft in Basel auflöste, war das schmerzlich. Wir wollten die Grimmialp aber nicht aufgeben, trotz aller Unmöglichkeiten. Wir beschlossen zu bleiben, so lange ER uns hilft. Und ER hat uns geholfen, besonders auch durch Sie, liebe Freunde, bis heute und das stärkt die Gewissheit, dass ER es auch weiterhin tun wird. Viele Wünsche, Hoffnungen und Träume sind in den 30 Jahren in Erfüllung gegangen und viele sind zerbrochen, geplatzt, haben sich nicht erfüllt. Manchmal war ich enttäuscht, wütend, verzweifelt - aber der Geist Gottes, der mich und uns angesteckt hatte, hat uns nicht verlassen, ER, der Gott und Geist des Lebens, des Auferstandenen, hat SEINE Verheissungen lebendig gehalten in grosser Treue und Ausdauer.

Aktuelle Infos über die Integrative Werkstatt / Arbteisplätze der Steppenblüte unter www.steppenbluete.ch

und die aktuellen Möglichkeiten auf der Grimmialp: www.kurhaus-grimmialp.ch